Zürcher Ausrufer Herrliberger

HERRLIBERGER, DAVID, 1697 ZÜRICH 1777

Marktfahrer pflegen heute noch zuweilen ihre Waren durch lautes Rufen und Schreien anzupreisen. Die ersten bildlichen Darstellungen dieser volkstümlichen Gestalten stammen aus dem Mittelalter. Druckgraphiken von solchen Marktfahrer-Ausrufern entstanden aber vor allem im 18. Jahrhundert. Wir finden sie in ganz Europa, beispielsweise als "Ancient Cries of London", "Les Cris de Paris", "Ritratto di tutti che vanno per Roma", wir begegnen solchen Darstellungen auch in Holland, Spanien, ja sogar in Russland, Nord- und Südamerika und auch im deutschen Sprachraum. Die Ausrufer sind heute eine wichtige Quelle für die Volkskunde. Wir erhalten so Aufschlüsse über die Lebensgewohnheiten der damaligen Bevölkerung. Unter den Ausrufern sind verschiedene Stände vertreten und präsentieren ihre Alltagskleider und Gebrauchsgegenstände, die damals zum Alltag gehörten. Zu den Abbildungen gehören die eigentlichen Ausrufe, mit denen die Waren zum Kauf angepriesen wurden. Sie werden hie und da mit dem Wort "chramed" (Zürich) oder "kroomad" (Basel) eingeleitet. Die Verse sind meist recht holprig geraten und man hat den Eindruck, dass sie rasch hingeschrieben wurden. Die derbe Sprache und der spasshafte Ton passen jedoch gut zu den oft vierschrötigen Ausrufer-Gestalten. Auch finden wir hier die wohl älteste Abbildung eines Weihnachtsbaumes, der als "Sanicklaus-Bäumli" (siehe Nr.32) ausgerufen wird.        Literatur: Hermann Spiess-Schaad "David Herrliberger - Zürcher Kupferstecher und Verleger 1697-1777".

Herrliberger gibt in den Donnstags-Nachrichten vom 18. Juli 1748 zum erstenmal bekannt: "In dem Herrlibergischen Kunstverlag ist ein kurzweiliges Wercklein unter folgendem Titul zuhaben: Züricherische Ausruff-Bilder vorstellende diejenigen Personen welche in Zürich allerhand so wol verkäuffliche als andere Sachen mit der gewohnlichen Land- und Mundart ausruffen in 52 sauber in Kupfer gestochenen Figuren mit Hochdeutschen Versen von verschiedenen Einfällen nach der uralten Reimkunst begleitet."  Den Zürcher Ausrufern war ein grosser Erfolg beschieden, denn bereits nach drei Wochen waren die gedruckten Blätter restlos verkauft. Der Erfolg veranlasste ihn, eine weitere Folge herauszugeben, die am 22. Mai 1749 angekündigt wurde und gemäss einer weiteren Ankündigung vom 29. April 1751 bis auf 156 Figuren erweitert wurde (3.Teil). Kupferstiche je 10,0 x 5,4 cm, schön altkoloriert und nummeriert:                            Preise je 38.00, mit Blattgoldrähmchen über Eck gearbeitet je 195.00

1 - 30; 18. Wägluge,Hupffe,Hupffe., 19. Brunne-Kresich.Rabüntzli., 21. Bäsä,Bäsä., 22. Haase,Fincke., 23. Amelämähl,Amelämähl., 24., Fürstei,Fürstei., 27. Zeinä-Büetze., 28. Krätä,Krätä., 29. Rächä,Rächä,Gablä., 30. Schrybsand,Schrybsand.,

31 - 40; 31. Hüp!, 32. Baümli,Baümli,Sanicklaus-Baümli., 33. Räckholder-Studä,Räck-Holder-Studä., 34. Lindä-Blust., 35. Häspäli,Wägäli,Schüsäli., 36. Räckholder-Beeri., 37. Lerchä,Lerchä,Räbfögel., 38. Kellä,Löffel,Wyhane., 39. Isä-Grind,Isä-Grind., 40. Räckholterholtz.,

41 - 70; 41. Geis-Käs,Geis-Käs., 44. Boone,Retich., 45. Rüebe,Rüebli., 61. Wollen Sie gute Landcarte, saubere contrafayt, Landschaften., 66. Pomeranzen,Zitronen,gute Meylandische Zitronen., 

71 - 90; 73. Morchen! (mit Blattgoldrähmchen über Eck gearbeitet), 76. Schtrauribel, Schtrauribel, Chausthäfäring! (mit Blattgoldrähmchen über Eck), 85. Wänder Schbiegelmeysli oder Cholmeysli?, 87. Wer muss Durbä ha?, 88. Schpissli., 89. Schäffthäu., 90. Chymi,Chymi!,

91 - 100; 91. Wänder Meyerysli?, 92. Wer wil schöni Ulmer Gerst kaufä, der sell zum Chauff=haus laufä. Spfund um 6.Schillig., 93. Kanari=Vögel., 94. Wänder Chäsli oder Chörbli=chraud, Feurbluma., 95. Wer wil guts Gwehr., 96. Lebendige Murmelthierli., 97. Brillen,Brillen,Holländi=sche Brillen!,  98. Milch! Eber äkey Milch wellid., 99. Impeeri,Impeeri., 100. Wysshuner Wild Äntä!,